CPD FOOTBALL | THE BLOG | The World of Indian football and beyond by Chris Punnakkattu Daniel

Verlieren verboten! Wenn Sportler zum Siegen verdammt sind…

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Höher, weiter, schneller! Titel, Rekorde und Meisterschaften sind die angestrebten Ziele im Profisport und Sportler arbeiten Tag für Tag um diese auch zu erreichen. Sie werden in ihrem Bestreben von der Familie, Freunden und Kollegen unterstützt und werden von Fans gefeiert für ihre Erfolge! Doch was geschieht wenn der Erfolg ausbleibt und die Erwartungen der Öffentlichkeit nicht befriedigt werden? „Fans“ zeigen ihre Abneigung und wir sehen zugleich die tiefen Abgründe des Profisports. Der tragische Selbstmord von Fußball-Nationaltorhüter Robert Enke ist ein trauriger Tiefpunkt der uns die Augen öffnen sollte.

Ein Sport wie Fußball genießt große Popularität in weiten Teilen der Welt. Profifußballer verdienen Millionen und Vereine kämpfen um Titel und lukrative Sponsoringverträge. Die Klubs sind heutzutage nicht nur Sportmannschaften, sondern in erster Linie Wirtschaftsunternehmen mit zahlreichen Mitarbeitern und Millionenbudgets.

Wochenende für Wochenende strömen Massen von Fans in die Fußballarenen des Landes um ihre Stars und Teams anzufeuern und sie vor allem siegen zu sehen. Doch was passiert, wenn der eingeplante Sieg nicht eingefahren wird und die Spieler eine schlechte Leistung bringen? Nun gut, die Fans mögen ein wenig Geduld zeigen und das nächste Spiel abwarten. Wenn jedoch auch das nächste Spiel und vielleicht sogar das übernächste Spiel verloren werden sollte, werden sogleich die ersten Unmutsbekundungen kundgetan.

Fans haben in der Tat das Recht sich bei schlechten Leistungen zu beschweren und von der Mannschaft ihr Bestes zu verlangen! Jedoch ist es heutzutage zur Normalität geworden Spieler und Offizielle zu beschimpfen, sie persönlich anzugreifen und an den Pranger zu stellen.

Immer mehr Fans sehen in ihren Stars überbezahlte Profis, die auch dementsprechend Woche für Woche ihre Leistung bringen müssen und Fehler werden kaum verziehen. In der Tat ist die Verhältnismäßigkeit der Gehälter im Vergleich zu anderen Berufsgruppen zu kritisieren. Doch dies solle kein Freibrief für unverhältnismäßige Kritik sein!

Menschen vergessen schnell, dass Spieler, Trainer und sonstige Offizielle immer noch Menschen sind und keine Maschinen, die ihr Programm abspulen! Sie stehen Tag für Tag im Blick der Öffentlichkeit. Jeder Schritt wird von den Medien und Fans verfolgt; Privatsphäre ist dabei ein Fremdwort. Die Profisportler stehen somit unter Beobachtung und Fehler werden nicht toleriert. Fehler werden sofort von den Medien und der Öffentlichkeit registriert, aufgegriffen und oftmals überzogen breit getreten.

Fans vergessen in ihrem Eifer für ihren Verein die wichtigen Dinge im Leben und stellen den Erfolg ihres Klubs an die erste Stelle. Niederlagen und Misserfolge rufen inzwischen nicht nur die „normalen“ Unmutsbekundungen, sondern auch persönliche Beleidigungen und Morddrohungen hervor.

Hetzjagden wie vor wenigen Tagen in Stuttgart sind die Szenen, die dann durch die Medien gehen und uns das wahre Bild des Fanatismus im Profisport aufzeigen. „Fans“, die versuchen Zäune einzureißen, Spieler beschimpfen und Steine schmeißen auf Grund des ausbleibenden Erfolgs ihres Vereins VfB Stuttgart.

Trainer Markus Babbel hat wenige Stunden danach auf die anhaltenden sportlichen Misserfolge reagiert und seine Kündigung eingereicht. In der Pressekonferenz äußerte sich Babbel auch über die unverhältnismäßigen Reaktionen der Fans und gab dies auch als einen Grund für seinen Rücktritt an.

Die psychische Belastung die heutzutage auf Sportler und Offizielle ausgeübt wird steigt ins Unermessliche und man muss sich ernsthafte Gedanken machen, wohin das Ganze noch hinführt. Die Angst vor dem öffentlichen Versagen und die damit verbundenen Reaktionen erzeugen Angstzustände in den Köpfen der Profisportler – egal ob Mannschaftssportler oder Einzelathlet.

Der öffentliche Druck der breiten Masse prallt geballt auf eine Einzelperson ein. Viele erwarten von Profisportlern, dass sie mit diesem Druck umgehen können und müssen! Doch kann man das vorrausetzen? Ich denke nicht! Denn unterm Strich sind sie immer noch Menschen wie du und ich, mit ihren alltäglichen Problemen!

Theo Zwanziger, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), sagte im Rahmen der Trauerfeier für Robert Enke: „Fußball ist nicht alles. Fußball, meine Damen und Herren, liebe Trauergemeinde, darf nicht alles sein. Das Leben, das uns geschenkt ist, ist vielfältig. Es ist interessant. Es ist lebenswürdig. Wir können auch auf das, was wir tun, ein Stück stolz sein. Wir können etwas leisten. Aber wir erfüllen uns immer nur in der Vielfalt und in der Gemeinschaft. Fußball darf nicht alles sein, liebe Eltern, wenn Ihr daran denkt, ob Eure Kinder einmal Nationalspieler werden könnten. Denkt nicht nur an den Schein, an das was sich dort zeigt, über die Medien verbreitet. Denkt auch an das, was im Menschen ist, an Zweifel und an Schwächen. Fußball ist nicht alles.“

Worte, über die man sich ernsthaft Gedanken machen sollte – doch vermutlich schneller wieder in Vergessenheit geraten, als einem Lieb ist…